Bevor ich über die verschiedenen Webvorrichtungen eine Ansicht ausspreche, will ich ganz kurz einzelne Beitreibungen solcher Vorrichtungen geben, die an alten Wandgemälden dargestellt sind, welche Beschreibungen aber aus verschiedenen Quellen entstammen. Bemerken will ich noch, dass die Webstühle nach diesen Darstellungen nicht nur sehr einfach, oft sogar sehr primitiv genannt werden müssen.

Oversized Smoke Lens Sunglasses - Buy on ASOS

Eine Studie von Ingenieur Aug. Braulik.

(Fortsetzung des Berichtes S. 42 d. Bd.)

Zweiter Teil.

Altägyptische Webvorrichtungen.

Bevor ich über die verschiedenen Webvorrichtungen eine Ansicht ausspreche, will ich ganz kurz einzelne Beitreibungen solcher Vorrichtungen geben, die an alten Wandgemälden dargestellt sind, welche Beschreibungen aber aus verschiedenen Quellen entstammen. Bemerken will ich noch, dass die Webstühle nach diesen Darstellungen nicht nur sehr einfach, oft sogar sehr primitiv genannt werden müssen.

Demin11) beschreibt ein Gemälde von Beni-Hassan: Aegyptischer wagerechter Flecht-, Wirk- oder Webrahmen, |176wo der Arbeiter, auf dem noch nicht durchzogenen Kettenteile sitzend, Fingerweberei treibt, d.h. mit den Händen flechtartig wirkt (!), wenn nicht einfach flechtet oder knüpft (!)12).

Maspero13) gibt die Zeichnung höchst wahrscheinlich nach derselben Abbildung wie Demin etwas anders wieder: Rechts und links sind je zwei Pflöcke in die Erde geschlagen und an diese Stöcke angebunden, zwischen denen die Kettenfäden etwas über der Erde ausgespannt sind. Der Arbeiter hockt auf der linken Hälfte, die ein Damenbrettmuster zeigt, und zwar mit seinen Füssen beim rechten Gewebebaum, und macht, zur Mitte gelangend, den letzten Querstreifen des Gewebes, das die rechte Hälfte der Kettenlänge beanspruchte, fertig. Hier sind zwei Gewebe fertig, die je die Hälfte der Kettenlänge ausmachen. Zuerst erzeugte der Arbeiter (Fingerweberei?) von links nach rechts bis zur Mitte das eine Gewebe, dann von rechts zur Mitte nach links gehend, das andere Muster. Die Stellung des Arbeiters ist hier viel wahrscheinlicher als bei Demin, indem man doch unmöglich ein halbwegs brauchbares Gewebe erzeugen kann, wenn man auf der Kette sitzen würde.

Aus der hockenden Stellung ist ersichtlich, dass diese Vorrichtung horizontal ist, wenn auch die Schussfäden vertikal gezeichnet erscheinen.

Ein anderes und wahrscheinlich ein und dasselbe Gemälde von Beni-Hassan wird verschiedenartig beschrieben, so von:

Demin14): Aegyptischer senkrechter Webstuhl, wo zwei Arbeiterinnen statt des Schiffchens noch vermittelst einer an beiden Enden mit Metallhaken versehenen Leiste (dem römischen Radius!) weben oder wirken.

Maspero15): Der Webstuhl erinnert trotz seiner Einfachheit an den noch jetzt bei den Webern von Achmim gebräuchlichen. Er ist wagerecht! und besteht aus zwei Cylindern oder vielmehr Stöcken, die 1,5 m auseinander stehen und von denen jeder in zwei Zapfen steckt, die in einem Zwischenraume von ungefähr 80 cm im Boden befestigt sind. Die Fäden der Kette wurden fest angeheftet und dann um den oberen (?) Cylinder gewickelt, bis sie die gewünschte Spannung hatten. Man fing die Arbeit unten (?) an, wie noch heutzutage bei den Gobelins. Mit einem groben Kamm wurde das Gewebe ausgeglichen und auf den unteren (?) Cylinder aufgerollt16).

Erman17): Das Verfahren des Webens ist im mittleren Reiche noch ein sehr einfaches. Die Kette des Gewebes wird zwischen den beiden Webebäumen, die an Pflöcken auf dem Boden befestigt sind, horizontal aufgespannt, so dass der Webende auf der Erde hocken muss. Zwei zwischen die Fäden der Kette geschobene Stäbe dienten dazu, sie auseinander zu halten, der Einschlagfaden wird mittels eines gekrümmten Holzes durchgeführt und festgedrückt.

G. Birdivood18): In Beni-Hassan, den prächtigen grottenartigen Gräbern mit den protodorischen Säulen aus der Zeit der Pharaonen des mittleren oder ersten thebanischen Reiches (3100 bis 1700 v. Chr.), zeigt eines der Wandgemälde eine Gruppe von ägyptischen Weibern, die augenscheinlich von einem Manne beaufsichtigt sind; sie versehen den Rocken mit Baumwolle (?) oder Flachs, drehen diesen mit der Spindel zu Garn, färben das Garn19) und weben es auf einem einfachen aufrechten Stuhle (tela jugalis) ohne Webbaum. Man sieht hier, wie sie die Fäden der Kette mittels einer Scheideschnur (arundo) trennen, uni so das Fach zu erhalten, durch welches die Fäden des Einschlages passieren und angeschlagen werden, und zwar dies nicht etwa mit Hilfe des eigentlichen Webeschiffchens und des Schlägers oder Kammes, sondern mittels des sogen. Radius.

Im Werke Perrot‘s20) ist die Tafel 381 aus Champollion wiedergegeben, ein sehr deutliches Bild der Frauen am Webstuhl aus einem Grabesgemälde in Beni-Hassan. Dieses Bild ist auffallend ähnlich mit denjenigen Abbildungen, auf die sich die oben angeführten Beschreibungen beziehen und höchst wahrscheinlich dasselbe. Nach allen den früheren Beschreibungen kann man immer noch kein Gewebe erzeugen, denn wozu würde man mit den Fingern eine Scheideschnur nehmen, die nur das eine Leinwandfach bilden könnte, oder Stäbe zur Trennung benutzen, durch die keine Bindung erzeugt werden kann?

Textabbildung Bd. 311, S. 176

Untersucht man das Bild in Champollion ganz genau, so wird man finden, dass die Kettenfäden zwischen Kett- und Brustbaum eingespannt sind, das fertige Gewebe links Fransen hat und in der Nähe des Kettenbaumes die Gangschnur deutlich gezeichnet ist. Fig. 40 zeigt die vereinfachteDarstellung dieser Abbildung aus Champollion.

Die rechts hockende Frau drückt mittels einer Leiste, die links griffartig abgebogen ist, den eingetragenen Schuss mit der rechten Hand an den Warenrand, während sie mit der linken Hand die Leiste am rechten hakenförmig abgebogenen Ende festhält.

Die links hockende Arbeiterin hält mit der einen Hand eines der beiden Querstäbchen a, während die andere Hand die Holzleiste andrückt oder am Fransenrand etwas zu ordnen scheint.

Die zwei durch die Kettenfäden gesteckten Stäbchen a und b sind aber verschiedenartig dargestellt.

Das dem Geweberande näher liegende b scheint glatt durch den Faden zu gehen, das andere awird von der Arbeiterin gehalten und besitzt über die Gewebebreite unter 45 ° geneigte Striche, genau wie in Fig. 40. Dieser |177Stab wurde für den eben eingetragenen Schuss benutzt oder gelangt soeben zur Benutzung beim nächsten Fach, das andere Stäbchen b diente zur Bildung des anderen Caches. Doch mit den zwei Stäbchen allein ist die Bildung der zwei Leinwandfächer nichtmöglich. Es deuten die geneigten Striche am Stabe a einen Faden oder eine Schnur an, welche ganz bestimmte Kettenfäden mit diesem Stabe verbindet. Diese Verbindung konnte aber nur so oder höchst ähnlich durchgeführt werden, wie in Fig. 41 dargestellt ist.

Textabbildung Bd. 311, S. 177

Mit jedem Querstäbchen, die auf der Kette im Ruhestände liegen, ist eine Schnur oder ein Faden (je nach Feinheit der Kette und Dichte) verbunden. Dieser Faden umschlingt (wie eine halbe Litze) bestimmte Kettenfäden, und zwar z.B. der Stab a die ungeraden und der Stab b die geraden Kettenfäden. Zieht man den einen Stab in die Höhe (oder zu sich bei vertikaler Anordnung), so erhält man das eine Leinwandfach, zieht man das andere Stäbchen an, so erhält man das zweite Leinwandfach.

Durch diese Vorrichtung21) kann ein Prinzip aufgestellt werden, welches für die Erzeugung der Gewebe in der Sammlung Anwendung findet: „Diejenigen Kettenfäden, die bei einem Schusse über dem Schussfaden liegen sollen, werden auf einen Stab gereiht.“

Allgemein braucht man daher für jeden Schuss des Schussrapportes einen Stab oder Schaft22).

Indem die Leinwandbindung zwei Schuss im Rapporte hat, die sich immer wiederholen, sind auch hierfür zwei Stäbe oder Schäfte nötig. Gewebe daher, die mehrere Schuss im Schussrapporte erhalten, bekommen auch mehrere Schäfte, auf die die Kettenfäden nach einer ganz bestimmten Ordnung gereiht werden. Wenn daher ein und derselbe Kettenfaden im Schussrapport mehrmal über dem Schussfaden liegen soll, so muss dieser Kettenfaden in mehrere Schäfte oder Stäbe gereiht werden.

Die eben beschriebene Fachvorrichtung gestattet dieselbe Verwendung, ob nun der Webstuhl horizontal (im alten und mittleren Reiche) oder aufrecht stehend, wie auf den Darstellungen des neuen Reiches, gefunden werden kann. Ein Bild des neuen Reiches, in Fig. 42 vereinfacht gegeben, zeigt einen aufrecht stehenden Webstuhl mit einem Rahmen. Er stammt aus jener Zeit, wo die Juden in Aegypten noch Frondienste leisten mussten. Auch dieses Originalgemälde ist nicht klar genug, teilweise beschädigt, daher diese Beschreibungen in verschiedenen Quellen divergierend.

Herodotus berichtet mit Verwunderung, dass die Aegypter von „unten nach oben“ weben, dagegen die anderen ihm bekannten Völker von „oben nach unten“ arbeiten. Unser Bild würde diese Behauptung nur bestätigen.

„Nach Erman scheint der untere Webebaum des Stuhles befestigt zu sein, der obere hängt nur in Oesen, was das Aufspannen der Kette erleichtern soll. Auch sieht man Stäbchen, die die Fäden der Kette auseinander halten, und als Schiff dient ebenfalls ein solches. Ein grösserer Stab, der in Oesen auf den Seitenbalken des Rahmens läuft, scheint, wie das Richtblatt unserer Webstühle, zum Anschlagen des Einschlagfadens zu dienen.“ Ich erkläre mir dieses Bild nach Fig. 42 in folgender Art:

Der Webrahmen ist in einem Sockel aus Nilschlammziegeln eingesteckt und ist auf diese Weise übertragbar gemacht. Der obere Baum K (der Kettenbaum) hängt in Oesen, die jedoch eine Art elastische Bremsung andeuten sollen. Der untere Baum W (der Warenbaum) dürfte jedoch nicht fest sein, sondern eine Art Anstreckzeug besitzen, denn sonst müsste der Weber mit dem wachsenden Gewebestreifen aus der sitzenden in eine knieende, dann eine gebeugte und schliesslich in aufrechtstehende Stellung kommen.

Textabbildung Bd. 311, S. 177

Der oberste Querstab x dient einfach als eine Kreuzschiene, a und a’ sind die ägyptischen „Schäfte“, mit denen der Weber die Fächer aushebt. Alle drei Stäbe x, a und a’ hängen an Schnüren, die über den Kettenbaum gelegt sind. Am Gemälde von Wilkinson23) sind ausser diesen drei Quer Stäben zu beiden Seiten die drei Aufhängeschnüre dick gezeichnet, werden daher am Originale zweifellos auch sein. Auf der rechten Seite gehen jedoch zwei Schnüre S bis zum Sockel. Man kann annehmen, dass dieselben mit den beiden Schäften a und a’ so verbunden waren, dass ein Ziehen an der einen oder anderen Schnur S die Schäfte in die Fachstellung brachte. Sonst hätte der Weber beim Arbeiten sich beständig bewegen müssen und zwar beim Fachöffnen etwas aufstehen und beim Eintragen des Schusses eine sehr unangenehme und mit dem praktischen Geiste der alten Aegypter nicht in Einklang zu bringende Stellung, doch keine sitzende, annehmen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass er mit dem linken Fusse, der im Innern des Sockels steckt, Tritte, die durch Schnüre S mit den Schäften a und a’ in Verbindung stehen, bearbeitet und auf diese Art beide Hände frei bekommt.

Zu dieser Annahme wurde ich durch die Thatsache |178geführt, dass nach alten Ueberlieferungen bei den alten Juden eine Trittvorrichtung in Verwendung stand und dieses wandernde Volk eine solche Vorrichtung eher von den Aegyptern als diese von den Juden angenommen hat.

In Fig. 42 kann R leicht ein Bietblatt enthalten, indem eine solche Vorrichtung neben dem Kamme (pecten) in Aegypten in Verwendung sein musste.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Bereits Gewebe aus der Zeit der 6. Dynastie (Nr. 2 und Nr. 11 der Sammlung) haben eine derartig gleichmässige Dichte, dass die Benutzung eines noch so feinen „Pecten“ und besonders eines solchen, der in Theben gefunden, nun im Brittish Museum aufbewahrt sind, nahezu ausgeschlossen erscheint. So ein Kamm musste in der Ware Streifen zurücklassen, die auch durch ein nachfolgendes Waschen und Bleichen des Zeuges nicht verschwinden. Eine Mumienhülle von König Mer-en-Rà, also mehr als 4650 Jahre alt, hat eine so gleichmässige Kettendichte von 60Faden bei einem Garnmaterial Nr. 80, wie sie mit einem modernen Riete und 2 Fäden per Zahn nicht besser ausfallen kann.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Doch findet man auch noch aus der Zeit der 18. Dynastie Gewebe (z.B. Nr. 39), die infolge der Verwendung eines „Pecten“ zum Zuschlagen des Einschusses ganz merkliche Kammstreifen zeigen. So besonders eine Leinwand von der Mumie des Thutmes II., und bei gröberen Geweben können wir diese Kammstreifen bis in die griechische Periode verfolgen. Merkwürdigerweise haben sich die feinsten Gewebe bis auf unsere Zeiten erhalten, doch ein feines Biet wurde noch nicht gefunden. Auch die alten Juden benutzten Riete für feinere Gewebe (aus Glas?) und für gröbere einen Kamm, der mit der linken Hand gehalten wurde und vor der Arbeit durch einen Glashobel Glätte bekam. Der Schützen in Fig. 42 scheint ein Stockschützen zu sein, ähnlich wie derselbe bei den Römern noch in Verwendung gewesen.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Ein anderer Schützen, wie er bei horizontalen Stühlen des mittleren Reiches benutzt wurde, hatte eine Gestalt nach Fig. 4324). Er war aus Syenitstein gemacht, fein poliert, die Kanten waren schön abgerundet. Der Schussfaden wurde darauf mit der Hand aufgewickelt, der volle Schützen durch das Fach geworfen.

Nach diesen bisherigen Betrachtungen will ich die Erzeugungsart der wichtigsten Gewebe der Graf’schen Sammlung besprechen, will jedoch gleich bemerken, dass ich nur einige Beispiele anführen werde, indem ich den beabsichtigten Umfang der vorliegenden Studie nicht vergrössern will.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Von den Fransengeweben nehmen wir z.B. Nr. 36, das in Fig. 1 schematisch gezeichnet ist. Der Grundschuss aa bindet durchweg in Leinwand und erhält hierfür die Kette nach dem früher aufgestellten Prinzipe zwei Schäfte. Für den Fransenschuss kommt noch ein dritter Schaft hinzu. Die Fig. 44 erklärt das Gesagte. Indem der Fransenschuss zwischen Fäden 17 bis 18 dann zurück unter allen Kettenfäden bis Fangfaden geht, ist für diesen Schuss keine weitere Vorrichtung nötig. Wollte man dieses Fransengewebe mit einer modernen Webvorrichtung erzeugen, so würde man hierzu die Patrone Fig. 45 benutzen.

Es bedeutet da a den Einzug in die Schäfte (6 Stück), b ist das Gewebebild (schwarz, Kette oben), d sind die nötigen vier Tritte und c die Schnürung der Schäfte mit den Tritten, f ist der Fangfaden für den Fransenschuss.

In ganz analoger Weise kann man die Patronen von den anderen Fransengeweben für moderne Stühle anfertigen. Als zweites und letztes Beispiel wäre z.B. das Gewebe Nr. 67 in Fig. 6dargestellt.

Textabbildung Bd. 311, S. 178

Es ist in Fig. 46 die ganze Webvorrichtung gezeichnet. a1 und a2 bedeuten die Schäfte für den Grundschuss (gleichnamig), c ist die Aushebevorrichtung für den Fransenschuss b1 , da b2 unter Faden 1 bis 20 geht, ist für diesen keine eigene Fachvorrichtung nötig. Die Leiste ist eine zweifädige und zweischüssige Leinwand, Grund ein einfaches Leinwandgewebe.

In Fig. 47 sind die Erzeugungsdaten für moderne Stühle angegeben (die Bezeichnungen analog wie in Fig. 45). Um die Gewebe, wie in Fig. 2728293235 und teilweise 37, zu erzeugen, braucht man für den dicken Schlingfaden |179keine eigentliche Vorrichtung. Nehmen wir z.B. Fig. 32, so brauchen wir für den Grundschuss 2 Schäfte, Nehmen aber einen Kamm (der zugleich als Rietblatt dienen kann) und zwar für Gewebe Nr. 185 mit 5 Zähnen à 1 cm und geben in jeden Zahn 4 Fäden, wie in Fig. 48 gezeichnet erscheint.

Textabbildung Bd. 311, S. 179

Dadurch teilen sich schon die Kettenfäden so, dass man mit der Nadel n den Schlingfaden b über 8 und unter 4 Fäden zurück u.s.w. leicht führen kann. a1 und a2 sind die Schäfte für den Grundschuss.

Textabbildung Bd. 311, S. 179
Textabbildung Bd. 311, S. 179

Der Kamm k kann auch zum Andrücken der Schüsse an den Warenrand benutzt werden. Eine gleiche Erleichterung kann auch mit Hilfe einer Schnur erzielt werden, die über 4 und unter 4, dann wieder über 4 Kettenfäden u.s.w. in die Kette gebracht wird. Wenn diese Schnur gegen die Brust gezogen wird, so teilen sich die Kettenfäden in zwei Partien à 4 Fäden.

Eines der interessantesten Gewebe ist Nr. 178 der Sammlung, ein nahtlos gewebter Schlauch.Indem ich bereits früher gesagt habe, dass dieses Gewebe als eine Spezies der nahtlosen Kleiderstoffe angesehen werden muss, ist es gewiss von hohem Interesse, die Webvorrichtung für dieses Gewebe festzustellen.

Betrachten wir in Fig. 49 und 50 im Querschnitt den Schlauch gezeichnet, so wie er sich im Webstuhl befindet. Die Fäden der Oberware sind durch weisse Doppellinien angedeutet, damit sie sich von der Unterware, die schraffiert gezeichnet ist, besser abheben. Man kann aus der Daraufsicht in Fig. 50 die beiden Leinwandgewebe untereinander liegend, gut betrachten. Man sieht, wie ein und derselbe Schussfaden beide Kettenfädensysteme abbindet, und findet ferner, dass der Schuss V wieder genau so abbindet wie Schuss I, daher der Schussrapport nach 4 Schuss beendet ist. Halten wir an dem früher angegebenen Prinzipe fest, dass diejenigen Kettenfäden an einem Querstabe gereiht werden, die über den Schuss zu liegen kommen, so erhalten wir eine Webvorrichtung mit 4 Stäben.

In Fig. 51 und 52 sind zwei Arten dieser Web Vorrichtung gezeichnet. In der ersteren Figur ist die Anordnung für den Fall gezeichnet, wo der Weber sitzend arbeitet, und in der nächsten Figur ist derjenige Fall vorgesehen, wo der Weber bei der Arbeit um den Stuhl herumgehen muss.

Textabbildung Bd. 311, S. 179
Textabbildung Bd. 311, S. 179

Für schmale Hohlgewebe ist der erste Fall passend, für breite Hohlgewebe (nahtlose Kleider) der zweite Fall, auch bei Juden und Griechen in Benutzung gewesen. Aus Fig. 51 ist leicht zu finden, dass die Kettenfäden in folgender Ordnung zu reihen sind.

1. Für den Fall in Fig. 52 gezeichnet:

Stab I: Fäden 1, 5, 9, 13, 17 u.s.w.

Stab II: Fäden 1, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 11, 12, 13, 15, 16, 17, 19.

Stab III: Fäden 3, 7, 11, 15, 19 u.s.w.

Stab IV: Fäden 1, 2, 3, 5, 6, 7, 9, 10, 11, 13, 14, 15, 17, 18 u. 19.

Der Weber zieht für jeden Schuss einen der vier Stäbe nach der Ordnung I bis IV an sich.

2. Für den Fall in Fig. 53 gezeichnet:

Stab I: die Fäden 1, 5, 9, 13, 17.

Stab II: die Fäden 2, 6, 10, 14, 18.

Stab III: die Fäden 3, 7, 11, 15, 19.

Stab IV: die Fäden 4, 8, 12, 16, 20.

Der Weber zieht für jeden Schuss die Stäbe in der früheren Ordnung I bis IV nacheinander, muss daher um den Stuhl herumgehen. Für die Erzeugung an modernen Schaftstühlen gelten die Herstellungsdaten in Fig. 53.

Man sieht aus den vorhergehenden Bildern, dass der ägyptische Webstuhl anders beschaffen war als der antike griechische Stuhl mit sogen. „haute lisse“-Vorrichtung oder Zugvorrichtung. Bei horizontaler Anordnung und dort, wo ein Warenbaum vorhanden ist, ist diese Vorrichtung nicht gut anwendbar. Mir ist auch keine Darstellung in ägyptischen Gräberhallen bekannt, wo beim aufrechtstehenden Stuhle eine Zug Vorrichtung zu vermuten wäre. Das charakteristische |180|Spannen der Kettenfäden durch Steine (ponderes) oder Prismen, auch Kegel aus gebranntem Thone findet man bei altägyptischen Stühlen nicht. Ferner lassen sich die sehr dichten Gewebe bei sehr feinen Kettenfäden mit dem antiken griechischen Stuhle überhaupt nicht herstellen, indem ja die gehobenen Fäden auch die Gewichte unten heben müssen und dadurch eine höhere Beanspruchung der Fäden besonders nach dem gemachten Schuss und Loslassen der Zugvorrichtung hervorgebracht wird. Nebenbei will ich noch bemerken, dass alle bildlichen Darstellungen der altgriechischen Stühle nur auf Erzeugung der Leinwandbindung schliessen lassen, in Aegypten aber mit der Webevorrichtung wirklich mehrschäftige Bindungen erzeugt wurden. Hierbei ist jedoch die Beschwerung der Kettenfäden beim Zugstuhl, falls nicht ein jeder Faden sein eigenes Gewichtchen hat, nach der Bindung in der Art zu wählen, dass gleich bindende Fäden eine gemeinschaftliche Belastung erhalten können25).

Textabbildung Bd. 311, S. 180

Aus den wenigen Gründen kann doch schon ein jeder Fachmann die Ueberzeugung gewinnen, dass die ziemlich verbreitete Ansicht, die ganze antike Welt, also auch Aegypten, hätte dieselben Webstühle wie die alten Griechen (Homeriden) benutzt, eine ganz falsche ist.

Es sagt Sir George Birdwood in seiner Monographie26): Wenn wir uns in Europa nur schwer dazu verstehen, die Geschichte der zivilisierten Welt einzig als eine Folge jener von Aegypten und im Vergleich mit dieser zu betrachten, so liegt das in der Hartnäckigkeit, mit der wir an dem ererbten Vorurteile festhalten, die Zivilisation von dem ersten Aufblühen der Kunst in Griechenland an zu datieren. Die erste Periode der Grösse Aegyptens unter den Pharaonen, die in Memphis regierten und die Pyramiden errichteten, war längst verstrichen, so auch die zweite unter den Herrschern von Theben, welche die Tempel von Luqsor und Karnak erbauten, lange, ehe Cecrops von Sais gegen Athen aufbrach, oder Danaus aus Chemmis (Achmim) sich gegen Argos wandte, oder Cadmus aus Phönizien nach Theben (Boötien), oder Pelops von Phrygien nach Elis auswanderte; und lange vor dem sagenhaften Argonautenzuge und dem Zuge der „Sieben gegen Theben“, vor der Flut des Deukalions, des Sohnes des Prometheus, des mystischen Schöpfers der Zivilisation des Westens. Und die dritte Glanzperiode unter den Dynastien des neuen thebäischen Reiches, auch sie hatte ihren Kulminationspunkt überschritten und eilte bereits dem Verfalle zu, als sich die Nebelgebilde hoben und in der Geschichte der Mittelmeerländer zu tagen begann; im homerischen Sonnenglanze sehen wir die frühesten Anzeichen beginnenden internationalen Lebens vom geschichtlichen Werte in Südosteuropa….

Den mächtigen Einfluss, den Aegypten durch eine so lange Zeit ausübte, können wir auch in den textilen Erzeugnissen kennen lernen. So finden wir z.B. auf einer attischen Vase aus Chiusi im Berliner Antiquarium die Darstellung eines altgriechischen Wirkstuhles27) der Penelope, und das fertige Stoffstück zeigt ein reiches Muster mit geflügelten Tieren und Männern, mit Sternen oder Swastika dazwischen und mit einer Bordüre von ägyptischen Ornamenten und Streifen, wie wir sie auch an alten ägyptischen Wandmalereien finden.

Eine andere Vase aus Cervetri, jetzt im Wiener Museum, stellt den Besuch des Priamus im Zelte des Achilles dar, und die Prachtdecken des Achilleslagers, sowie die Teppichballen, welche vom Priamus angeboten werden, zeigen die ägyptischen Ornamente der Denkmäler von Medinet-abu, Luqsor und Karnak.

Eine ganze Serie keramischer Malereien zeigt uns, dass die Gewänder, welche die Griechen und Italioten, Thracier und Lydier vom 6. bis 3. Jahrhundert v. Chr. trugen, geradezu identisch mit jenen heiteren Gewändern sind, die wir an ägyptischen Monumenten abgebildet finden. Es entspricht die griechische Tunika der Basoni- und Schenti-Tracht der ägyptischen Krieger und das Himation der Calasiris.

Until the Digital Age, typography was a specialized occupation. Digitization opened up typography to new generations of previously unrelated designers and lay users, and David Jury, head of graphic design at Colchester Institute in England, states that “typography is now something everybody does. As the capability to create typography has become ubiquitous, the application of principles and best practices developed over generations of skilled workers and professionals has diminished. Ironically, at a time when scientific techniques.

Shop These Look